Extrem Tour
14.09.2009
Folgenden Bericht erhielten wir von der „SY Pagan“, die wir z. T. in diesem Frühjahr mit neuen Segeln ausgerüstet haben.
Das Eis gab den Weg nicht frei.
Das diesjährige Polareis hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Allen Klimawandeldiskussionen zum Trotz hatten wir in diesem Jahr ein fast normales Eisjahr. Den nördlichsten Punkt unserer am 3. Mai in Bremerhaven gestarteten Reise, erreichten wir 220 NM südlich von Thule mit Pos. 74° und 57° W das ist weit im Norden von Grönland.
Dabei hatte alles großartig begonnen. Im Juli lag ein mehrere Wochen anhaltendes Hoch über ganz Grönland und beschenkte uns mit bestem Wetter. Jeden Tag die grelle arktische Sonne, die 24 Stunden vom Himmel brannte. Eisberge so weit das Auge reicht und so viele, wie Seele und Geist gerade noch verkraften konnten, ohne abzustumpfen von der makellosen Schönheit dieser Inseln aus schwimmendem Eis. Alles hatte aber auch zwei Seiten. Die Hochdrucklage brachte keinen Wind, der Motor lief über Wochen ohne Unterbrechung und störte die Ruhe und Stille der arktischen Landschaft, die man nur schwer begreifen und erfassen kann und schob uns durch das spiegelglatte Wasser in dem sich die Landschaft und die Eisberge widerspiegelten. In diesem Jahr herrschte in Grönland und in der gesamten Arktis ein normales Eisjahr. Unsere Kalkulation, das durch den Klimawandel unsere geplante Route schon zeitiger im Jahr eisfrei sein müsste, ist nicht aufgegangen. Das Eis an der Küste von Baffin Island und Ellesmere Island lag fest und das Kanadische Pond Inlet, der einzige Ort dort oben in den Northwestterretorries an dem wir den dringend benötigten Diesel nachbunkern konnten, lag noch von fester Eisdecke eingeschlossen. Mitte Juli, war die über 100 Seemeilen breite Eisdecke vor der Küste von Baffin Island gerade erst im Begriff aufzubrechen und ohne den Wind kann das noch lange dauern, bis dieser Küstenbereich für uns und unserer Segelyacht sicher hätte befahren werden können. Von den noch zugefrorenen Fjorden und den möglichen Ankerplätzen ganz zu schweigen. Wegen unseres knappen Zeitplanes blieb uns nichts anderes übrig, als uns der Natur zu beugen und den langen Rückweg anzutreten. So zu entscheiden war nicht leicht und führte auch zu Frust, geplatzten Träumen und Zielvorstellung bei manchem von uns an Bord. Aber gegen Natur und Zeit kann man nichts erzwingen. So hatten wir mehr Zeit für die Fjorde und Gletscher der grönländischen Nordküste, für die einzigartige Schönheit der arktischen Landschaft, für Kontakte mit den Menschen, die dort leben. Irgendwie ist es im Zeitalter von „alles ist möglich“ auch gut einmal die Erfahrung machen zu müssen, das es heutzutage noch Ziele gibt die man nicht mal so eben erreichen kann.
Zur Zeit sind wir auf dem Weg nach Island und habe nach einen Wetterkrimi , Hurrikan Bill war auf dem Weg nach Norden, ist aber von Neufundland aus – Gott sei`s gelobt - nach Osten abgebogen, vor ein paar Tagen Kap Farewell passiert. Der Wind in der Irminger See, der uns von „Bill“ noch hinterlassen wurde, hat dann unsere schon etwas älteren Segel Stagfock und Genua 1 gekostet.
Trotz Unterbesegelung, denn wer hat schon für alles Ersatz dabei - werden wir in wenigen Stunden Reykjavik erreichen, bevor die letzte Etappe um Nordisland herum nach Tromsö/Nordnorwegen gesegelt wird, wo die Pagan überwintern wird.
Wie beneide ich doch Bernt Lüchtenborg, der heute am 3. September bei leichten Winden und herrlich warmen Temperaturen Segelfreuden genießen darf.
Reinhard Schmitz von Bord der „SY Pagan“
Montag, 14.09.2009